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Achte auf die Linie

Eine schmale Linie definiert den Grat zwischen fahrbar und nicht fahrbar. THE LINE, so heißt auch der 2. Teil der Film-Trilogie von Hannes Mair (ALPSOLUT moving pictures), der uns Innsbrucker Vertrider auf unseren alpinen Mountainbike-Projekten begleitet. Diesmal geht es über die Grenze nach Südtirol. Am Nordrand der Dolomiten finden wir einen Berg mit zwei gegensätzlichen Gesichtern. Der Trail vom Gipfel führt geradewegs auf den Rand eines Canyons zu. Haben wir nun gefunden wonach wir gesucht haben? Sind restliche Zweifel ausgeräumt? Und wie tief darf eigentlich ein verantwortungsvoller Sturzraum sein?

Euer Team Vertriders

Wer den Teufel ruft

Ein Wunsch, der im nächsten Moment unvermittelt in Erfüllung geht, erzeugt ein komisches Gefühl. Bei mir jedenfalls, ich bin dann zunächst sehr skeptisch, irgendwo ist sicher ein Haken.

In diesem Fall war der Haken sofort klar. Beim Aufstieg zum Gipfel, Bike auf dem Rücken, gingen wir an einer steilen Felsrippe vorbei. Ich rief begeistert aus: genauso einen Felsen wünsche ich mir mal auf dem downhill, so etwas will ich mal fahren. Keine viertel Stunde später kurz unter dem Gipfelkreuz, taucht genau so eine Wunschstelle auf, und nicht nur eine, sondern derer gleich drei, richtig lange, steile archetypische Felspassagen.

Es war sofort klar, es würde vorerst nichts aus der erwarteten flowigen Feierabend-Runde. Plötzlich musste Fokus her, die Gemütlichkeit war dahin. Der Traum war natürlich nicht die Felsen anzuschauen, sie sollten auch befahren werden.

Oben angekommen wartete aber zuerst einmal ein gewaltiges Gipfelpanorama. Fast völlige windstille und lauwarm auf über 2200m, auch ohne T-Shirt noch fein zum jausnen. Die Sonne stand noch eine gute Handbreite über dem Horizont. Es war einer dieser Abende.

Die Lauschigkeit stand im starken Kontrast zur bevorstehenden Feuerprobe fürs neue Bike, dem Liteville 601. Die Felspassagen waren im kleinen betrachtet nicht ultimativ schwierig, schon steil, boten aber extremen Grip auf der kantigen, schroffen, verwittertem Felsoberfläche. Und etwas ausgesetzt auch, aber kein unendlicher Abgrund. Es ist letztendlich die Länge, die den Passagen die besondere Schwierigkeit gibt, sie strapaziert Konzentration und Nerven. Einmal eingetreten in den Raum, ist der nächste Notausgang ein paar lange Augenblicke weg. Eine Wüstendurchquerung ohne Oase.

Aber gut, man braucht sich keinen künstlichen Stress zu machen, entweder man fühlt es oder muss wiederkommen an einem anderen Tag. Diesmal hat alles gepasst, Konzentration und Nerven waren da, das Erwünschte ist tatsächlich aufgegangen! In der allerletzten Sequenz habe ich allerdings meine Konzentration schon sehr strapaziert, am Ende der Stelle, hab ich die Bremsen etwas lösen und mich statt auf Bremstechnik auf den satten Hinterbau verlassen müssen. Ich ziele auf den Ausgang und, naja, gerad so halbwegs unter Kontrolle, erreiche ich die schottrige Kehre auf dem Weg vor dem Steilhang. Normalerweise fahre ich lieber im grüneren Bereich.

White Noise im Kopf, geschafft, ich brauche eine kleine Pause, auf der Hütte am Sattel bietet sich schon ein kaltes Radler an, bevor dann der flowige Teil des Abends beginnt. Ein Traum wurde erfüllt und die anfängliche Skepsis ist der reinen Freude gewichen!

Thanks Markus for the creative photography and Sylvia for motivation,

thumbs up, Axel.

Nachmittag hitzefrei

Nachdem ich mich die letzten Tage der ersten Hitzewelle 2013 im klimatisierten Büro verkrochen habe (nicht nur wegen den Außentemperaturen, nein – wirklich auch wegen der Arbeit), war ich eigentlich entschlossen, den letzten dieser sonnig-heißen Nachmittage irgendwo liegend und möglichst an einem See zu verbringen. Den Anruf von Hannes, der mich überreden wollte, am Nachmittag noch eine ausgewachsene Bigmountaintour zu starten, habe ich zuerst nicht wirklich ernst genommen.

Zum einen, weil ich mich bei 37°C einfach möglichst wenig bewegen wollte, zum anderen, weil dieser Berg berüchtigt für den ca. 2,5-3 stündigen, fast ausschließlich auf der Südseite und teilweise durch einen Latschengürtel verlaufenden Anstieg ist. Vor meinem geistigen Auge tauchten Bilder von uns auf: Hitzeflimmern über dem Weg in den Latschen, kein Lufthauch, wir dahinschleichend, hechelnd und ausgetrocknet wie Rosinen.

Ich: „Mir wern eingehn, Hannes!“
Hannes: „Na, Geri – des werd gewaltig! Der Matti isch a dabei!“

Die Aussicht auf eine kleine Shuttlehilfe (Danke an Mimi) und damit das Verhältnis von 1000hm Uphill und 1700hm feinster Trails bergab, aber vor allem der grenzenlose Optimismus von Hannes haben mich dann doch überzeugt. Ich bin ja auch wirklich nicht so der Schwimmbad-Typ.

Also schnell das Zeug gepackt, neue Reifen aufgezogen, 2,5l Wasser eingefüllt und ab geht’s. Bereits beim Aussteigen aus dem Auto werden wir positiv überrascht – eine angenehm kühlende Windbrise! „Wird vielleicht doch nicht so schlimm!“ Der Weg durch den Latschengürtel ist erträglich und wir kommen gut voran. Die leichte Brise ist inzwischen zum Wind geworden. Durch das Geröllfeld und über letzte Schneereste kommen wir schnell höher, und sind bald am Gipfelaufbau.

Der Wind ist jetzt so stark, dass wir mit den Rädern am Rücken von den Böen immer wieder vertragen werden und dahintorkelten wie drei Besoffene. „Wie in meiner Vorstellung beim Telefonat mit Hannes,“ denke ich mir, „nur ohne die Hitze und wir noch guter Dinge.“

Nach 2,5h kommen wir am Gipfel an, die Aussicht ist grandios und wir finden sogar einen wind- geschützten Platz zum Gummibärln jausnen und fotografieren. Wir sind die einzigen am Gipfel.

Gemütlich – weil gut in der Zeit – bereiten wir uns und die Räder auf die Abfahrt vor. „Hoffentlich stören die Windböen nicht zu sehr“. Der Trail hält vor allem im oberen Teil ein paar interessante Stellen bereit, besonders bei diesen trockenen, rutschigen Verhältnissen ist der Weg eine Herausforderung. Ein hochalpines Kugellager. Die Windböen machen die Sache auch nicht leichter und bringen uns immer wieder aus dem Gleichgewicht. Wie eine große unsichtbare Hand, die mit uns spielt. Aber was wir uns beim Aufstieg vorgenommen haben zu fahren, schaffen wir dann auch wirklich.

1700hm Abfahrt hängen sich dann doch ganz schön rein und wir sind alle froh, als wir im Tal ankommen – alle drei mit einem zufriedenen Grinser im Gesicht, einen Traumtrail hinter uns. Bei Matti im Garten lassen wir die Tour noch bei einem feinen Hopfengetränk ausklingen. Ein perfekter Nachmittag.

Und bestimmt aufregender als am See. Gerhard.

Der Bueffelelefant

Die  Big  Five  sind  das  Ziel  der  Großwildjäger  in  Afrika:  Elefant,  Nashorn,  Büffel   (das  Tier,  nicht  die Nationalität ),  Löwe  und Leopard die  angesagten Trophäen.  Toller  Sport,  tolle  Wohnungsdekoration!  Wir sind keine  Jäger,  wir  sind Mountainbiker,  wir  besteigen Berge,  wir  haben trotzdem unsere  Big Five.  Es sind die großen Bike-Berge,  die Klassiker um Innsbruck,  es  müssen nicht  genau fünf,  können auch mehr sein, man schafft sie selten alle in einer Saison. Weiterlesen

Die Gargglerin

Unscheinbar und wunderschön, etwas entgarggelt, zergarggelt und völlig vergarggelt steht sie da im hinteren Gschnitztal. Die Gargglerin. Zwar hoch über dem Tal, aber zwischen prominenten Berggipfeln, dem mächtigen Habicht und den geheimnisumwobenen Tribulaunen, liegt ihre Schönheit im Verborgenen, in ihrem Inneren. Ihr Kalkstein Gipfelaufbau ragt nur die letzten 200 Meter wie ein zersetzter Zahn aus kantigen Granitbrocken und steilen Grasflanken heraus. Nach dem Aufstieg über verblocktes Gelände auf den hügelartigen Rücken sieht sie immer noch recht unspektakulär aus, wie eine von vielen in der Region. Führt der Weg auf den Gipfel gar über einen Klettersteig? Lohnt es sich ein Rad hier hinaufzutragen? Weiterlesen

Indian Summer

„Die Seele eines Menschen kann nur so schnell reisen, als die Füße ihn tragen“. Indianisches Sprichwort

Der Herbst ist ein Bike-Karussell, das sich dreht, bis einem schwindelig wird. Am Abend erst, beim Bier, hat die Seele etwas Zeit, aufzuholen. Doch am nächsten Morgen geht es von neuem zu schnell. Mit Vertrider-Kollege Gerhard geht es los auf die nächste Tour. Der nächste Berg, einer der „Big Five“, einer der grossen Bike-Klassiker Tirols. Weiterlesen

Kein Badeurlaub am Steinernen Meer

Das Salzburger Land ist eines der lieblichsten Landschaften der Alpen. Übergrüne Almwiesen  leuchten aus den bewaldeten Hügeln und auf idyllische Almhütten genießen Wanderer Nockerln und Hefeweizen. Das liebliche Idyll hat jedoch an der Baumgrenze ein abruptes Ende, dann ragen bleichgraue schroffe Felszacken in den Himmel, und steile Wandersteige winden sich über grobes Geröll auf ausgesetzten Scharten in die Felsen. Es ist Vertrider-Terrain. Weiterlesen