Archiv für den Monat: November 2013

Gardasee

Die Trails am Gardasee gehören mittlerweile zu den absoluten Mountainbike-Klassikern, einige sind fast schon Legende. Für viele Biker bietet die Gardasee-Region den Saisonsauftakt, jetzt Anfang November, ist der Hype des Frühlings und Sommers längst vorüber, auf den Gipfeln der Nordalpen liegt schon Schnee, es kehrt Ruhe ein. Für uns eine gute Gelegenheit, nach langer Zeit mal wieder die alten Klassiker zu besuchen. Besonders gespannt bin ich auf die zahlreichen Schlüsselstellen in den Bergflanken oberhalb von Limone. Nahe der Dalco Alm hatte ich vor fünf Jahren schon einmal aus Frust fast geweint, weil eine Stelle einfach nicht hergehen wollte…

Mit dabei: Eine kleine Delegation der Gemeinschaft außergewöhnlicher Mountainbike Sympathisanten (GAMS) – die Innsbrucker Ursteine -, sie hauchen dem Trip eine Brise Nostalgie ein. Die Gamsler sind zusammen mit den Vertridern wahrscheinlich eine der ersten Pioniere dort gewesen und kennen jeden Trail von ihrer ersten Stunde, aus Zeiten wo neongelbe Lycra-Leggins beim Biken der letzte Schrei waren. Sie kennen jede Schlüsselstelle mit ihrer Befahrungsgeschichte, wer, wann, wie versucht hat, welche Line zu fahren.

Manche Stellen haben sich mit der Zeit stark verändert, oft hat die Verwitterung das Geröll in der Ausfahrt weggewaschen, während die Kalkstein-Felsen standhaft blieben und die Lines dadurch steiler geworden sind. Oder bilde ich mir das nur ein? Man hat das Gefühl, man fährt ein Stück Vertridergeschichte, das motiviert! Ich will mir natürlich nicht die Blöße geben und kämpfe Stück für Stück, und die Lines aus der Vergangenheit gehen wieder auf.  Die Bikes bieten heute schon etwas mehr Reserve. (Obwohl die Gustav M Bremsen damals schon einen unerreichten Standard an Bremskraft auf den Trail legten). Diesmal gibt es keine Tränen.

Mein breiter 760er ‚newschool‘ Lenker bringt mich in der Monte Cas Schlucht dann aber doch an die Grenzen zwischen dem engen Geländer. Oder war es eher die nachlassende Konzentration? Auf jeden Fall eine realistische Ausrede… Roli schlüpft mit seinem fast museumsreifen, gelben HT mit 680er Lenker die wilden Kehren-Stufen runter – Respekt.

Nach drei Tagen Mountainbiken der Superlative, Essen vom Feinsten und italienischem Flair, war der Mini-Urlaub perfekt. Das schlecht angesagte Wetter zog immer in der Nacht durch, sodass der feuchte Schotter besten Grip hatte. Dafür waren die abgespeckten Steinstufen am Monte Cas eher ein Alptraum.

Ein unglücklicher Zwischenfall hat die Stimmung allerdings fast gekippt. Christoph Kovacs hat sich bei einem (relativ harmlosen) Sturz den Ellenbogen ausgekugelt…die absolut unorthopädische Stellung von Christophs hängendem Unterarm und seine schmerzverkegelten Augen waren ganz und gar nicht lustig anzuschauen, dabei war das Anschauen sicher der angenehmere Part. Aber soviel dazu, der wilde Hund hat sich den Ellenbogen selber wieder eingerenkt, ist durch den Schmerz kurz ohnmächtig geworden, aber selber nach unten gelaufen und hat nach Schmerzmittel und Bier sogar wieder halbwegs optimistisch dreingeschaut. In Innsbruck in der Klinik hat sich aber doch eine Bänder- und Knochenverletzung herausgestellt. Get well soon, Christoph, and never give up the ride!

Saisonende? Jetzt trägt das Training der Saison erst richtig ihre Früchte, soviel Routine hat man das ganze Jahr nicht, also Zeit endlich ein paar offene Projekt daheim zu knacken – im November geht oft einiges!

Ride on, Axel.

Der Fall Roland N.

Gestern um 12:54 Uhr wurde der Mountainbiker Roland N. wegen des illegalen Befahrens eines Waldsteiges vom Verwaltungsgericht Innsbruck zu einer Geldstrafe verurteilt. Dieses Urteil ist das erste seiner Art in Tirol und dürfte laut eines Artikels in der Tiroler Tageszeitung unter der Rubrik Verbrechen (http://www.tt.com/panorama/verbrechen/7423567-91/strafe-fürs-biken-im-jagdrevier.csp) “einen Stein ins Rollen gebracht haben”. Ein etwas neutralerer Artikel ist auf der ORF-online Seite zu lesen (http://tirol.orf.at/news/stories/2613360/).

Die Anzeige wurde vom Jäger und Jagdpächter des entsprechenden Jagdgebietes gemacht, was wenig verwundert. Während sich Förster und Alpenvereine um eine Lösung des Konflikts mit Mountainbikern auf Wanderwegen bemühen, ist gerade die Jägerschaft in der Vergangenheit eher durch Lobbyismus und aggressives Verhalten aufgefallen. Ein Revier ist ja schließlich da, um es zu verteidigen. Dieser Ansatz scheint ziemlich veraltet und birgt wenig Lösungspotential.

Keine Verbote, sondern gegenseitiger Respekt war im Gegensatz dazu der Konsens der Fachtagung der Alpenvereine am International Mountain Summit (IMS) vor 3 Wochen in Brixen (http://www.alpenverein.at/portal/news/aktuelle_news_kurz/2013_10_21_ims-mountainbike.php). Der Club Arc Alpin, der Dachverband der Alpenvereine, bündelt zweifellos die objektive Expertise in Sachen Naturschutz, Wegeerhaltung, alpine Sicherheit und Ausbildung und ist frei von Motiven, sich persönliche oder finanzielle Vorteile zu erhalten. Gegenseitiger Respekt ist der wohl weiseste Ansatz für ein konfliktfreies Miteinander aller Waldbenützer! Trotzdem müssen gesetzliche Änderungen folgen, die Mountainbiker aus der Rubrik Verbrecher befreien. Wenn mit dem gestrigen Urteil als statuiertes Exempel tatsächlich ein Stein ins Rollen gebracht wurde, so eher in die falsche Richtung.

Axel und das Team Vertriders.